Durchquerung der Dauphiné (Parc National des Écrins)

 

Dauphiné 2018

Skidurchquerung des Parc National des Écrins 

verfaßt von Michael Hank (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) - 28. April 2018

 

Planung, Teilnehmer, Führung

Die Gruppe bestand neben dem Organisator und Führer der Tour (Michi Hank, Trainer B, Schihochtourenführer, DAV Steingaden) aus weiteren fünf Teilnehmern: Marita und Jörg Hofmann, Florian Hofmann (letzterer weder verwandt noch verschwägert mit den ersteren beiden Hofmanns), alle drei DAV Peiting, Stefan Greisel und Sebastian Sanktjohannser (DAV Steingaden). Alle Teilnehmer waren sehr konditionsstark und erfahren im Schibergsteigen, teilweise sehr erfahren im Hochtouren- bzw. Schihochtourengehen sowie größtenteils erfahren in Seil- und Sicherungstechnik. Michi und Flo waren zudem aktive Einsatzkräfte der Bayerischen Bergrettung (Bergwacht), somit waren wir auch für medizinische Notfälle gut gerüstet - denen wir natürlich unter keinen Umständen begegnen wollten.

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Teilnehmer der Tour v.l.n.r: Stefan Greisel, Marita Hofmann (kniend), Jörg Hofmann, Florian Hofmann, Sebastian Sanktjohanser, Michael Hank (Tourenführer)

 

Ziel der Schihochtour war, in sechs Touren-Tagen die markant aufragende La Meije (3.983 m) in weitem Bogen zu umrunden und dabei den Nationalpark „des Écrins“, im Süden der französischen Hochalpen zu durchschreiten. Die Bergkette zwischen La Meije und Mont Pelvoux wird wegen ihrer Schroffheit oft auch als „Karakorum der Alpen“ bezeichnet. Neben etlichen Gratüberschreitungen waren dabei die Besteigung des Dôme de Neige des Écrins mit einer Höhe von 4.015 m geplant. Der Dôme ist der Wintergipfel des Barre des Écrins, dem südlichsten Viertausender der Alpen.

Als Ausgangspunkt  der Tour war La Grave gewählt, Hotspot für Free-Rider aus allen Alpenregionen und sicherlich ein Treffpunkt von „Ski-Bums“ aus der ganzen Welt. In La Grave werden keine Schipisten präpariert, sondern das schier endlos scheinende Geflecht aus Gipfeln, Kämmen, Satteln, Rinnen und Gletschern wird von ambitionierten Freeridern (Schifahrern und Snowboardern), die von einer alten Gondel auf den Glacier de la Girose in 3.211 m Höhe befördert werden,  intensiv bestiegen und befahren.

Die Organisation der Tour begann im Januar 2018, die Durchführung der Tour wurde auf den Zeitraum vom 21. bis 28. April 2018 festgelegt, Hütten und Unterkünfte bereits im Januar reserviert. Im Zuge der Reservierung stellte sich heraus, dass das Refuge du Temple Écrins, das als Stützpunkt für die zweite Nacht der Tour geplant war, wegen Komplettrenovierung erst im Sommer 2018 wieder eröffnen würde. Wir mußten uns so auf eine deutlich längere zweite Tagesetappe sowie auf eine Übernachtung im Winterraum des Refuge Cézanne einstellen.

Als Planungsgrundlage diente im Wesentlichen die Karte „Meije Pelvoux“ (IGN 3436 ET, 4. Auflage, 2011, M1:25.000), sowohl in digitaler als auch gedruckter Form.

 

Ausrüstung und Bedingungen

Neben der üblichen Ausrüstung für Gletscherbegehungen (Karabiner, Selbstsicherungsschlingen, Rücklaufsperren, Eisschrauben, Pickel, etc. kamen regelmäßig zum Einsatz!) wurde für die Tour aus Gründen der Effizienz ein 40m Einfachseil (8,9 mm) gewählt. Steigeisen, Harscheisen (!) und Pickel waren absolut notwendiger Teil der Ausrüstung und täglich in Gebrauch. 

Neben Kartenmaterial (siehe oben) kamen zur Orientierung auch die App des IGN mit vorgeladener IGN-Topokarte 1:25.000,  sowie ein Garmin GPS mit geladenen Garmin Birds-Eye Abbildungen der IGN-Topokarten im Maßstab 1:25.000 zur Anwendung.

Die Tour stellt durchaus hohe Ansprüche an die Orientierung im alpinen Gelände. Wir hatten glücklicherweise immer gute Sicht oder konnten gute Sichtbedingungen innerhalb kurzer Zeit abwarten - bei schlechten Sichtbedingungen ist die Durchführung der Tour nicht empfehlenswert.

Da eine Übernachtung in einem Winterraum erforderlich war, hatten wir auch drei Kocher dabei, wobei sich im Nachhinein herausstellte, daß zwei davon für das Aufkochen von Schmelzwasser zur Zubereitung der gefriergetrockneten Expeditionsnahrung, sowie zum Kochen von Teewasser ausreichend gewesen wären.

Während unserer gesamten Tour hatten wir lediglich an einem Ort, nämlich in La Bérarde, Mobilfunkempfang. Schon vorsorglich hatten wir uns mittels einer ausreichenden Anzahl sinnvoll großer Biwaksäcke (!) darauf eingestellt, dass im Falle eines Notfalles erst nach vielen Stunden Hilfe eintreffen würde. Auch empfiehlt es sich sicherlich, für solche Fälle mindestens einen Kocher, evtl. mit Aufsatz für eine Gaslampe mitzuführen, mit dem dann Licht und Wärme erzeugt werden können.

Im Winter 2017/2018 fiel in der Region des Parc des Écrins, wie auch im üblichen Alpenraum, sehr viel Schnee. Dies hatte zur Folge, dass die Hütten, auf denen wir unterzukommen planten, erst am 17.4. ihren Betrieb aufnahmen - einen Monat später als geplant, dennoch rechtzeitig wenige Tage vor Beginn unserer Tour. Wir hatten auf Rückfragen von den Hüttenbetreibern signalisiert bekommen, dass auch das Mitnehmen von Tagesverpflegung von der Hütte möglich wäre, was wir dankend annahmen, um das Gewicht unserer Rucksäcke so gering wie möglich zu halten. Auch schien uns die Verpflegung mit französischen Spezialitäten der eintönigen Verpflegung mit Müsliriegeln vorzuziehen - vorweg schon bemerkt: wir sollten in keinster Weise enttäuscht werden. 

In den Tagen vor Beginn unserer Tour beherrschte ein Hochdruckgebiet das Wetter im gesamten Alpenraum. So war für den Zeitraum unserer Tour schönes Hochdruckwetter mit starker tageszeitlicher Erwärmung vorhergesagt (die Nullgrad-Grenze stieg während unserer Tour tagsüber auf 3.300 m bis 3.600 m). Wir mussten uns also nicht nur auf starke Temperaturanstiege im Tagesverlauf einstellen, sondern auch Zeit- und Routenplanung so wählen, dass wir nicht in den Gefahrenbereich abgehender Naßschneelawinen gelangen würden.

Glücklicherweise stiegen die Temperaturen in den Tagen vor Tourenbeginn so stark an, dass sich viele, nach Südost, Süd und Südwest ausgerichtete Steilhänge bereits ihrer Schneelast entledigt hatten, als wir dann dort angelangten. Dennoch wurden wir während unserer Aufstiege immer wieder Zeuge abgehender Naßschneelawinen, die uns allerdings nie in Bedrängnis brachten.

Es sollte sich herausstellen, dass das Hochdruckgebiet während der gesamten Tour anhalten sollte - mit Ausnahme von weniger Stunden andauernder Bewölkung am zweiten Tourentag. Somit konnte die Schneedecke während der Nacht immer wieder gut auffrieren, wir hatten zu beinahe jeder Zeit gute Sicht und Sonnenschein. Bestes Tourenwetter!

 

Ankunft in La Grave

In La Grave hatten wir als Unterkunft das Gite des la Rocher gewählt, zunächst wegen des günstigen Übernachtungpreises von 129 € für alle sechs Tourenteilnehmer. Es stellte sich dann heraus, dass das Gite nur wenige hundert Meter unterhalb der Seilbahn lag, die uns am nächsten Morgen auf den Glacier de la Girose bringen sollte. 

Die Herberge hatte saubere Zimmer, Toiletten und Duschen. Vor dem Haus stand ein pink Cadillac-Cabriolet, dessen Sitze zugunsten eines Whirlpools weichen mußten. In dem konnte man dann sitzen und den Blick auf die La Meije geniessen. Hätten wir’s gewußt, wäre sicherlich eine Badehose im Gepäck gewesen!

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Ein pinkes Cadillac-Cabriolet als Whirlpool, vor unserer Herberge in La Grave, dem Gite-la-Rocher.

 

Das Gite des la Rocher ist definitiv eine Absteige für Ski-Bums und Free-Rider, die gut unterkommen wollen ohne dabei viel Geld auszugeben. Absolut empfehlenswert. Auch das Frühstück war ausreichend und  gut.

Wir bezogen ein Zimmer mit sechs Betten und entschlossen uns, im Ort auf die Suche nach unserem Abendessen zu gehen. Die meisten Lokale hatten allerdings schon das Ende der Saison eingeläutet und waren daher geschlossen. Wir fanden dennoch eine nette Pizzeria in der Ortsmitte.

 

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Ganz entgegen unseren Erwartungen ist La Grave kein Ort, der dominiert wird von riesigen Schihotels und Appartement-Bunkern, sondern vermittelt noch den netten Eindruck eines kleinen französischen Bergdorfes.

Unseren Absacker (Rotwein, was sonst!) tranken wir dann im Aufenthaltsraum unserer Herberge zwischen vielen Reliquien aus den goldenen Sechzigern - der Wirtin eingeschlossen. 

 

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Absacker im Aufenthaltsraum der Gite de La Rocher in La Grave.

 

 


 

Tag 1: La Grave nach La Bérarde 

Um 8.30 Uhr öffnete das Schalterhäuschen an der Gondelstation. Für 35 € pro Person brachte uns die Gondel dann in erstaunlich langsamem Tempo auf die Bergstation Gare des Ruillans, oberhalb der Gletschers Glacier de la Girose, wo wir dann auf 3.211 m unsere Tour begannen. 

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Aufstieg zum Col de la Girose über den Glacier de la Girose

 

Entlang der in der Karte verzeichneten Schiroute stiegen wir zunächst über den Gletscher in Richtung Col de la Girose auf. Das Col war gut zu erkennen und auch die Routenführung auf das Col ergab sich recht eindeutig. Das Col liegt auf 3.514 m.

Auf der Südseite des Col de la Girose befindet sich ein Rinne, die in großer Steilheit auf den Glacier de la Selle herunterzieht. Nur bei sehr guten Schneeverhältnissen kann das Col sicher abgefahren werden, das sich im unteren Teil schon recht zusammenzieht und man dann wohl eher abrutscht statt fährt. Stürzen sollte man im Col de la Girose auf keinen Fall, da ein Fall nur schwer abzufangen wäre.

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Anstieg zum Col de la Girose über die Nordost-Flanke

 

Die Rinne wurde zum Zeitpunkt unseres Einstiegs noch nicht von der Sonne erfaßt,  sodaß der Schnee noch recht eisig war. Wir entschieden uns daher dafür, durch das Col abzuseilen. (Sichere Geher in nicht-geführter Gruppe werden sicherlich dazu tendieren, durch das Col entweder abzufahren oder mit Steigeisen abzusteigen, auch als Führer unserer Gruppe konnte ich problemlos durch das Col absteigen). Mittels einer Abseilschaukel oder eines Fixseiles können die Teilnehmer einer Gruppe schnell von Stand zu Stand - diese liegen ca. 40 bis 50 m auseinander - befördert werden.

Oben am westlichen Rand des Cols befand sich ein erster Abseilstand, wenige Meter darunter, an einem Fels, der gut sichtbar aus dem Schnee herausragte, ein zweiter. Dort begannen wir mit dem Abseilen unserer Gruppe. Die Stände in der Rinne waren gut auf der linken Seite der Rinne eingerichtet, unser 40 m Seil war ausreichend lang, lediglich bei einer Seillänge mußten wir einen eigenen Stand an einem hervorstehenden Felsköpfl legen. Insgesamt seilten wir in vier Seillängen durch die Rinne, um unten nach links aus der Rinne in den darunter liegenden Gletscherbeginn zu queren.

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Blick ins Col de la Girose, Einrichten des ersten Abseilstandes an vorhandenen Bohrhaken, wenige Meter unter dem Sattel.

 

Auf dem Glacier de la Selle angekommen orientierten wir uns zunächst in Richtung des gut sichtbaren, gegenüber liegenden Breche du Replat, um dann am Fuß dieses Breche nach links (Osten) zu schwenken und das deutlich kleinere und steilere  Breche du Rateau  anzusteuern.

 

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Blick zum Breche du Rateau

 

Das Breche du Rateau (3.235 m) fällt auf der Ostseite steil und trichterförmig ab. Aufgrund der fortgeschrittenen Tageszeit war der Schnee im Steilhang der Ostseite bereits sehr naß, das Hangsystem, dass zunächst in großer Steilheit ins breite Tal „Le Chatelleret“ führte, mußten wir in tiefem und teilweise sehr schwerem, aber dennoch noch nicht ganz durchweichtem Schnee überwinden, immer auf der Suche nach einer Linie ausserhalb der Reichweite möglicher Naßschneelawinen - was die logische Linie des Hangsystem ziemlich ausschloß. Unter weniger frühjahrsmäßigen Bedingungen sind diese Hänge sicherlich gutes Schigelände. Wollte man früher an dieser Abfahrt angelangen, kann man den Col de la   Girose umgehen und über den Col de la Lauze früher zum Breche du Rateau gelangen.  Dazu muß man per Schlepplift vom Col des Ruillans weiter auffahren. Der Schlepplift war bei unserer Ankunft schon außer Betrieb, Touren-geher wurden per Pistenraupe nach oben gebracht. Rückblickend war der Abstieg durch das Col de la Girose jedoch ein sehr schöner Teil unserer Tour, den wir nicht missen wollten.

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Aufstieg ins Breche du Rateau

 

Die Ausfahrt nach La Berarde durch das Tal Le Châtellerer, vorbei am Refuge du Châtelleret führte uns auf Schiern bis kurz überhalb von La Bérarde, wo wir ca. auf Höhe des Plat des Etancons die Schi an den Rucksack packten und zu Fuß bis zu unserer Herberge, dem Chalet Alpin La Bérarde abstiegen.

 

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Am Ziel unserer ersten Tagesetappe im Chalet Alpin in La Berarde

 

Die Zufahrtsstraße nach La Bérarde war bereits geöffnet, sodaß im Chalet jegliche Annehmlichkeiten verfügbar waren, einschließlich Dusche am Zimmer (!), wunderbarem Bio-Bier und frisch gebackenem Heidelbeerkuchen!

 


 

Tag 2: La Bérarde zum Refuge Cézanne 

Wir begannen die lange Etappe zum Refuge Cézanne um 5 Uhr morgens nach einem ausreichenden Frühstück im Chalet Alpin und nachdem wir dort auch mit einem „Pétit Picnique“ - also unserer Wegzehrung - versorgt wurden.

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Früher Aufbruch am Chalet Alpin in La Berarde

 

Nach einem langen Marsch, langsam ansteigend entlang des Baches „Vénéon“ passierten wir zunächst das Refuge du Carrelet, um dann ungefähr 500 Meter später linker Hand zunächst in einem großen Geröllfeld, das von einer alten Naßschneelawine bedeckt war, in Richtung Refuge de Temple Écrins aufzusteigen. Ca. 50 Höhenmeter über dem dem Talboden trafen wir, links vom Geröll- und Lawinenfeld abgehend, auf den Sommerweg, dem wir durch dichten Latschenwald in Serpentinen bergauf bis zur Hütte folgten. Das Refuge de Temple Écrins (2.410 m) war bis zur Dachrinne eingeschneit, sodaß wir unsere Brotzeit auf dem Dach der Hütte einnahmen.

Hinter der Hütte folgen wir dem auf der Karte verzeichneten Sommerweg bergan,  den wir ca. 50 Höhenmeter über der Hütte wieder gut erkennen konnten. Als wir uns hinter der Hütte im Aufstieg befanden, konnten wir einen Hubschrauber beobachten, der Material und Handwerker auf die Hütte brachte, die dann wohl erstmal mit den Ausschaufeln der Hütte begannen, um dann die laufende Renovierung fortzusetzen.

Den ersten Anstieg durch den Südost-Hang hinter der Hütte schafften wir auf Schiern, für die anschließende Querung, zu der wir dem gut erkenntlichen Sommerweg in Stufen ansteigend folgten, wechselten wir auf Steigeisen und schnallten die Schier an den Rucksack.

 

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Querung auf dem Sommerweg oberhalb des Refuge de Temple Écrins

 

Die Linie hinüber Richtung Osten querten wir dann, mäßig in Kehren ansteigend, teilweise über alte Naßschneelawinenfelder wieder auf Schiern, bis wir am östlichsten  Punkt des Tals ankamen, wo wir dann mit dem Aufstieg zum Glacier de la Temple begannen.  Die Linienführung dorthin ergab sich logisch, dem Gelände folgend. Dem Gletscher folgten wir dann sanft ansteigen in weitem Bogen, zuerst nach Osten, dann Südosten auf den Col de la Temple (3.301 m).

Die Linie vom Col de la Temple hinab zur Rinne, die auf den Glacier Noir führt, ergab sich recht eindeutig durch weitläufig kupiertes Gelände. Wie auf der Karte erkennbar, zog sich die Rinne entlang eines durchgehenden Felssporns, der ca. 80 Meter östlich unterhalb des Col begann, sichelförmig nach unten. Die Rinne war bis auf eine Felsstufe, über die einfach und ohne Hilfsmittel abzuklettern war, schneebedeckt. Wir hielten die Rinne aber nicht für fahrbar und stiegen sie mit Steigeisen ab. Ohne Probleme gelangten wir auf den Glacier Noir, den wir vor atemberaubender Kulisse entlang der Hängegletscher, die nordseitig vom Pic Sans Nom und vom Mont Pelvoux herunter ragten, abfuhren, und schließlich - nach grandioser Firnabfahrt über 400 Höhenmeter - am Zusammenfluss der beiden Teile des Glacier Noir auf ungefähr 2.540 m angelangten.

 

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Blick von oben in die Rinne, die von unterhalb des Col de La Temple auf den Glacier Noir führt.

 

Wir hielten uns dort links und gelangten in weitem Rechtsbogen auf den sehr schmutzigen, tiefer gelegenen Rest des Glacier Noir, dem wir nun nordöstlich hinaus folgten, bis wir uns nach Südosten orientierten, um zum Refuge Cézanne zu gelangen, das in Mitten eines Lärchenwaldes am Talboden zwischen den eingewinterten Gebäuden des Nationalparks stand. Die kleine Hütte dient als Winterraum der, im Sommer bewirtschafteten Refuge Cezanne.

 

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Engstelle in der Rinne, abzuklettern.

 

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Von unten ist die Linienführung der Rinne gut erkennbar.

 

Für die zwölf Schlafplätze, die sich im Obergeschoß der tief eingeschneiten Hütte befanden, waren ausreichend Decken vorhanden. Das war auch notwendig, da es Nachts sehr kalt wurde und jeder von uns wenigsten  drei Decken benötigte, um sich warm zu halten - nachdem die kleine Hütte über keinen Ofen verfügte.

Schmelzwasser, das von den Dächern der umliegenden Gebäude troff, erwärmten wir in den mitgebrachten Kochern, sodaß wir ausreichend zu trinken hatten und auch die gefriergetrocknete Expeditionsnahrung in einen essbaren Zustand versetzen konnten. Gekrönt wurden die eher minderen Mahlzeiten durch fantastischen Nachtisch: Amarettocréme und Milchreis mit Vanille, aufgequollen aus Trockenmasse. 

Rückblickend war es eine gute Entscheidung, die Nacht im Refuge Cézanne zu verbringen und nicht noch zum Refuge du Glacier Blanc aufzusteigen: nicht nur, daß wir dann noch beinahe 600 Höhenmeter mehr aufsteigen hätten müssen und somit gute 2.300 Hm Tagesleistung hätten aufsteigen müssen - vor allem die süd-südöstlich und südwestlich ausgerichteten, steilen Aufstiegshänge  zum Refuge du Glacier Blanc wären am Nachmittag zu lawinengefährlich gewesen.

Die Nacht war sternenklar, sodaß die Schneedecke wieder gut auskühlen konnte und uns am nächsten Morgen wieder sichere Verhältnisse bescherte.

 

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Die Nacht im Refuge Cézanne war kalt aber gemütlich!

 

 


 

Tag 3: Refuge Cézanne zum Refuge du Glacier Blanc 

Unser dritter Tag begann mit Ausschlafen - Wecken um 5.30 Uhr. Da wir uns für den vierten Tag der Tour den Aufstieg auf den 4.015 m hohen Dôme de Neige des Écrins vorgenommen hatten, wollten wir uns am dritten Tag unserer Tour etwas schonen und uns vom langen Vortag erholen und hatten geplant, zunächst nur vom Winterraum des Refuge Cézanne (1.874 m) zum 2.542 m hoch gelegenen Refuge du Glacier Blanc aufzusteigen, um uns dort Teilen unseres Gepäcks zu entledigen und östlich der Hütte noch ein wenig weiter aufzusteigen und die ein oder andere Firnabfahrt zu suchen.

So folgten wir dem Tal wieder aufwärts und stiegen dann entlang des in der Karte verzeichneten Sommerweges, auf dem Rücken westlich des Gletscherbaches des Glacier Blanc auf, um dann unterhalb des Gletscherabbruches - in sicherer Entfernung zum Gletscher - auf die Ostseite der Schlucht zu den Hängen unterhalb der Hütte zu queren. 

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Querung unterhalb des Glacier Blanc im Aufstieg zum Refuge du Glacier Blanc (links am Rücken erkennbar)

 

Die Aufstiegshänge, die vom Refuge Cézanne aus noch sehr steil ausgesehen hatten, lösten sich im Aufstieg jedoch sehr gut auf, der Schnee war griffig, sodaß das Gehen in den Hängen gefahrlos auch ohne Harscheisen möglich war.

Im letzten Anstieg zur Hütte in den ostseitigen, steilen Hängen, die noch nicht von der Sonne erreicht wurden, legten wir dann Harscheisen an.

Auf der Hütte angekommen trafen wir auf den Hüttenwirt samt Frau und deren beider Kinder; der jüngste Nachkomme erst acht Monate jung. Die Hütte war erst eine Woche vor unserer Ankunft eröffnet worden, erst am Vortag hatten die Wirtsleute die Wasserversorgung einschalten können. Der Aufenthaltsraum der Hütte diente gleichzeitig als Wohnraum der Wirtsfamilie, Laufstall und Spielsachen waren am Boden verteilt, der Hund der Familie names „Deux“ strich zwischen den wenigen Gästen umher.

Die Hütte wurde von den Wirtsleuten in einer sehr entspannten Weise geführt, wir fühlten uns sehr willkommen und wurden erstklassig versorgt. 

 

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Blick von oberhalb des Refuge du Glacier Blanc nach Süden. Von links nach rechts: Mont Pelvoux (3.932 m), Pic Sans Nom (3.913 m), kleiner Coup de Sabre (3.478 m), l’Ailefroide (3.927 m). Rechts in der Senke neben l’Ailefroide (nicht sichtbar) das Col de la Temple (3.301 m), das wir überschritten haben. Ganz rechts der Pic Coolidge (3.775 m). Vor der Bergkette von Mont Pelvoux bis l’Ailefroide der Glacier Noir, den wir abfuhren.

 

Nachdem wir unser Gepäck,  das für den weiteren Aufstieg überflüssig war, in Kisten auf der Hütte verstaut hatten, stiegen wir hinter der Hütte um kurz nach 10 Uhr weiter auf. Der Hüttenwirt hatte uns empfohlen, in Richtung Col du Monetier aufzusteigen, auf dem Anstieg dorthin durch ideales Schigelände entschieden wir uns aber, in Richtung des Glacier Tuckett aufzusteigen, um den idealen Zeitpunkt für unsere Firnabfahrt nicht zu verpassen.

 

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Weißer Rauch steigt auf vor dem Refuge du Glacier Blanc. Lokale Ski-Bums beim Chillen.

 

So stiegen wir bis auf ca. 3.000 m auf um dann die ideal geneigten Firnhänge bis zur Hütte wieder abzufahren. 

Den restlichen Nachmittag verbrachten wir vor  und in der Hütte, genossen das vorzügliche Abendessen, bestehend aus vier Gängen - Suppe, Fleischeintopf mit Couscous, Käse und Kuchen -und verabschiedeten uns früh ins Bett, um am nächsten Tag für den Aufstieg zum höchsten Punkt unserer Tour gerüstet zu sein.

 

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Abfahrt auf dem nach Westen ausgerichteten Hang am Fusse des Glacier Tuckett.

 

 


 

Tag 4: Refuge du Glacier Blanc auf den
Dôme du Neige des Écrins 

Unser Tag begann mit Frühstück um 4.30 Uhr, Abmarsch war auf 5.00 Uhr festgelegt. Vom Hüttenwirt wurden wir mit einem großen Paket an Marschproviant versorgt - Obst, Couscous-Salat, Brot, Käse, Riegel! - und so begannen wir unseren Aufstieg auf den 4.015 m hohen Dôme du Neige des Écrins, den Wintergipfel des Barre des Écrins.

 

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Aufstieg zum Dôme du Neige des Écrins über den Glacier Blanc

 

Die Nacht war klar, sodaß der Schnee gut aufgefroren war. Da der Anstieg gleich hinter der Hütte in steilem Gelände auf den Glacier Blanc führte, legten wir schon zu Beginn Harscheisen an. Von der Hütte (2.542 m) beginnend stiegen wir so nordnordwestlich in kupiertem Gelände bis auf ca. 2.900 m an, wo wir dann auf den Glacier Blanc querten. Die Spuranlage ergab sich klar aus der Geländestruktur; der Gletscherabbruch, der sich im Aufstieg immer zur Linken befindet, bot auch in der  Dunkelheit eine gute Orientierungshilfe. Kalter Bergwind war im Aufstieg lange unser Begleiter. 

 

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Dämmerung und Sonnenaufgang im Aufstieg auf den Glacier Blanc

 

Der Glacier Blanc war bei unserem Aufstieg dick eingeschneit, die Aufstiegsspur über den Gletscher folgte der Geländestruktur, vorbei am Abzweig zum Refuge des Écrins, bis wir auf ca. 2.980 m anhielten, um einen Biwaksack mit den, für den Aufstieg zum Dôme nicht benötigten Sachen zu füllen und zu vergraben. Unterhalb des Einstiegs in die Nordostwand der Barre des Écrins legten wir auch wieder Harscheisen an.

 

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Wir rüsten uns zum Aufstieg durch die Gletscherbrüche zum Dôme du Neige des Écrins.

 

Im rechten unteren Teil des Anstieg zum Dôme befand sich auf ca. 3.700 m ein Eisbruch; dieser war auch in der Karte verzeichnet. Während unseres Aufstiegs hielten wir uns links dieses Eisbruchs, der auch während unseres Aufstiegs immer wieder Eisbrocken an uns vorbei ins Tal schickte.

Bis auf ca. 3.900 m befanden wir uns stetig unter einem großen Serac; der linke Teil dieses Seracs war wohl vor kurzem erst teilweise abgebrochen und hatte auf seinem Weg nach unten eine ungefähr 50 m breite Schneise aus Eisbrocken hinterlassen. Wir querten dieses Abbruchfeld, einzeln gehend, auf ca. 3.700 m Höhe von rechts nach links um dann kurz oberhalb in einer weiten Rechtskurve auf den Rücken des bedrohlichen Seracs, und damit aus der Gefahrenzone zu gelangen. 

Die letzten Höhenmeter entlang des Gletscherschrundes der Nordwand des Barre  des Écrins gestalteten sich einfach. Die Spuren waren hier zwar großteils verblasen, die Randspalte des Gletschers aber gut sichtbar. Ohne Schwierigkeiten gelangten wir auf die Bréche de Lory (3.974 m), das Joch zwischen Barre des Écrins und Dôme du Neige. Von dort ging es in leichtem Anstieg auf den Gipfel des Dôme du Neige (4.015 m). 

 

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Blick vom Gipfel des Dôme du Neige (4.015 m) nach Norden

 

Die Nordflanke des Dôme ist bis zum Gipfel mit Blankeis bedeckt, durchzogen von einem Schneeband, das zur Bréche de Lory führt. Konzentriertes gehen (und später abfahren) ist hier anzuraten - nächster Halt wäre sonst erst viele hundert Meter tiefer.

So erreichte unsere gesamte Gruppe den höchsten Gipfel unserer Tour und den südlichsten Viertausender der Alpen.

Nach einer zwanzigminütigen Pause begannen wir mit der zügigen Abfahrt. Im Wesentlichen hielten wir uns dabei immer im Bereich unserer Aufstiegsspur, da diese sicher durch die Spalten des  Gletschers führte. Die Schneeverhältnisse waren wechselnd, oft herrschte windgepresster Harsch vor, im unteren Teil Firn. Zügig erreichte die gesamte Gruppe den Fuß der Wand und somit befanden sich dann auch alle Teilnehmer wieder außerhalb des Gefahrenbereichs der Seracs. 

An der Ausgrabungsstelle unserer zuvor vergrabenen, nicht benötigten Utensilien hielten wir, in der Sonne sitzend, eine längere Pause, um dann in aufgefirntem Schnee in Richtung Refuge des Écrins abzufahren.

Wir erreichten das Refuge des Écrins (3.175 m), das ungefähr 100 Meter in den Felsen überhalb des Gletschers an dessen nördlichem Rand sitzt, am frühen Nachmittag.

 

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Querung zum Refuge des Écrins

 

Die Wasserversorgung des kleinen Refuge funktionierte noch nicht, zu kalt war es auf dieser Höhe noch, sodaß noch nicht genügend Schmelzwasser zur Verfügung stand. Flaschenwasser, aber auch Bier und natürlich Rotwein waren natürlich käuflich, sodaß wir auf unseren Gipfelsturm gebührend anstoßen konnten. Während die Gruppe am Nebentisch ihren Kalorienhaushalt mit fünf Litern Suppe wieder auffüllte, taten wir selbiges mit fünf Litern wunderbarem französischen Weißbier.

 

 


 

Tag 5: Refuge des Écrins - Col Emile Pic -
Refuge Adéle Planchard 

 

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Frühstück im Refuge des Écrins. Der Kaffee wirkt noch nicht!

 

Am Col Émile Pic (3.483 m), das sich nordnordöstlich oberhalb des Refuge des Échrins in nur wenigen hundert Meter Luftlinie befindet, wollten wir vom Tal des Glacier Blanc in das des Glacier de la Plate des Agneaux übertreten.

Während der Sommerweg zum Col Émile Pic zurück nach unten auf den Gletscher, dann nach 250 m nach Osten und schließlich wieder nach oben zum Col ansteigt, beschlossen wir, direkt von der Hütte nach Osten zu queren und uns so ungefähr 100 Höhenmeter morgendlichen Anstieg sowie die unangenehme Abfahrt auf gefrorenen Hängen zu ersparen. 

 

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Querung des Hanges neben dem Refuge des Écrins, auf dem Weg zum Col Émile Pic (links hinter dem Felsrücken, nicht sichtbar)

 

Da wir für die Querung von der Hütte in den Aufstieg zum Col wenigstens das Licht der Dämmerung haben wollten, beschlossen wir, erst um 5.30 Uhr an der Hütte loszumarschieren.

Mit angelegten Harscheisen querten wir den Hang, immer auf die Unterkante der, in wenigen hundert Meter sichtbaren Felsen zuhaltend. Im Wesentlichen hielten wir dabei die Höhe, bis wir in die Rinne gelangten, die zum Col Émile Pic nach oben zog.

Links unterhalb des Col wechselten wir von Schiern auf Steigeisen und Pickel, nahmen die Schi an den Rucksack und stapften in der Rinne, die auf das Col führte, nach oben. Etwa 80 Meter unterhalb des Cols gelangten wir an eine ungefähr fünf Meter hohe Steilstufe, die mit Blankeis überfroren war. Das dort angebrachte Fixseil war tief im Eis  eingefroren und nicht freizulegen, sodaß wir ein eigenes Fixseil zum Aufstieg der Gruppe anbrachten. Die Steilstufe war für den vorsteigenden Gruppenführer ohne weitere Sicherung gut zu überwinden, ca. sieben Meter oberhalb der Steilstufe waren Schlingen und Haken zum Aufbau eines Standplatzes vorhanden, eine Eisschraube, eingedreht in das Blankeis der Stufe diente dazu, den optimalen Verlauf des Fixseils sicherzustellen. 

 

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Aufstieg zum Col Émile Pic

 

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Durchstieg durch die Rinne zum Col Émile Pic. Das vorhandene Fixseil war im Wassereis eingefroren, so mußten wir selbst eines aufbauen.

 

So konnte die Gruppe dann in kurzer Zeit  am Fixseil aufsteigen und wir erreichten bei starkem Wind das Col Émile Pic auf 3.483 m, wo wir wieder auf Schi umrüsteten und uns auf die Abfahrt zum Glacier de la Plate des Agneaux vorbereiteten.

Die Abfahrt begann am Col über den Glacier des Agneaux. Die Orientierung in dem stark zerklüfteten Gletscher erfordert auf jeden Fall gute Sicht. In unserem Fall folgten wir einer Aufstiegsspur, von der wir wußten, dass diese von einer österreichischen Gruppe am Vortag angelegt worden war. Die Aufstiegsspur hielt sich zunächst knapp rechts der Mitte des Gletschers, Anfangs mit mäßiger, dann mit großer Steilheit, führte dann in rechtem Bogen unter den Gletscherbruch, wechselte dann nach einem großen Fels auf die linke Seite der Gletscherrinne, wo wir uns dann einen Durchgang in große Plate des Agneaux suchten - dies gelang uns sogar durchgängig ohne dabei unsere Schi abzuschnallen. 

 

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Abfahrt vom Col Émile Pic über den Glacier des Agneaux. Gletscherbruch und Lawinenabgänge zwangen uns zur vorsichtigen Orientierung bei der Abfahrt

 

Diese Abfahrt erfordert hohe Fahrsicherheit, gute Sicht und gute Orientierung. Die Orientierungsvorschläge, die wir vor der Tour recherchiert hatten waren zu diesem Zeitpunkt so nicht befahrbar.

Um ca. 10 Uhr, am Boden des Glacier de la Plate des Agneaux angekommen, machten wir zunächst Brotzeit und rüsteten dann wieder zum Aufstieg um. Der lange Marsch durch das Gletscherbecken (7 km vom Punkt unserer Ankunft auf dem Gletscher) fand bei großer Hitze statt. Saharasand bedeckte große Schneeflächen und sorgte für eine noch schnellere Erhitzung der Oberfläche. Nur an wenigen Stellen konnten wir den Glacier de la Plate im Schatten aufsteigen.

 

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Anstieg über den Glacier de la Plate des Agneaux, Blick auf das Roche d’Alvau, rechts der NO-Gipfel der Roche mit 3.538 m

 

Am Ende des Glacier de la Plate, kurz bevor dieser stark gegen die Tete Nord de la Somme ansteigt, drehten wir uns in weiter Rechtskurve nach Norden, um die nördlich von uns ansteigenden, geschwungenen Hänge zu erklimmen. 

Den Anstieg auf den Glacier de la Casse Deserte bewältigten wir am rechten Rand des Gletschers - von wo aus wir weiter in das Col du Neige (3.348 m) aufstiegen - unserem Übertrittspunkt auf den Glacier Superieur des Agneaux, an dessen östlichem Rand unsere heutige Unterkunft, das Refuge Adele Planchard auf uns wartete. 

 

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Aufstieg zum Col du Neige (3.348 m) vom Glacier de la Casse Deserte 

 

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Angekommen am Col du Neige

 

Vom Col du Neige querten wir zunächst, ohne viel Höhe zu verlieren, auf den östlichen Rand des Glacier Superieur des Agneaux, um dann nur etwa 100 Höhenmeter zum Refuge Adele Planchard (3.169 m) abzufahren.

 

 


 

6. Tag: Refuge Adele Planchard - La Grand Ruine -
Villar d’Arênne 

 

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Sonnenaufgang vor dem Refuge Adele Planchard

 

Unser letzter Tourentag hielt nur noch wenige Aufstiegsmeter für uns bereit: von der Hütte Refuge Adele Planchard auf 3.169 m ging es, nach einem Frühstück um 6.30 Uhr (!) über den Glacier Superieur des Agneaux in einfachem Gelände aufwärts bis in die Bréche Giraud Lezin (3.668 m), der Scharte nordöstlich unseres Ziel, dem Pointe Brevoort (3.765 m) in der Gipfelformation der Grand Ruine. Ein Aufstieg von also nur ca. 600 Metern.

Im Aufstieg war der Schnee gut aufgefroren, da die Nacht wieder sternenklar war. Günstigste Firnverhältnisse kündigten sich für unsere lange Abfahrt von 3.668 m auf 2.450 m an, zurück auf den Glacier de la Plate des Agneaux -alles nun eine Frage des richtigen Timings.

 

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Gut sichtbare Aufstiegsspuren vom Refuge Adele Planchard über den Glacier Superieur des Agneaux zum Pointe Brevoort (3.765 m), dem höchsten Gipfel in der Gipfelformation „La Grand Ruine“. 

 

In der Breche machten wir ein Schidepot, ließen die Rucksäcke zurück und zogen Steigeisen an. So querten wir zur Rinne, die sich etwas südlich des Gipfels auf der Ostseite des Pointe Brevoort gerade nach oben zog bis auf den Gipfelgrat. Die Rinne war bevölkert mit einer absteigenden Gruppe. Sie steilte im oberen Teil auf, die vorhandenen Trittstufen  waren gut gefroren und boten mit Steigeisen guten Halt. Unsere Gruppe hatte keine Mühe, mit Pickel und Steigeisen und ohne weitere Sicherung nach oben zu gelangen.

Am Gipfel selbst befanden sich dann erstaunlicherweise nur noch zwei weitere Bergsteiger. Ein letztes Mal ließen wir unseren Blick schweifen über Mont Blanc und Matterhorn im Norden, über Barre des Écrins und Mont Pelvoux im Süden und wir bildeten uns ein, ganz im Süden am Horizont das Mittelmeer zu erkennen.

 

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Angelangt am Pointe Breevort (3.765 m) in der Grand Ruine 

 

Zum sicheren Abstieg vom Gipfel bauten wir uns ein Fixseil auf, an dem die Gruppe dann zügig wieder zurück zum Fuß der Wand und dann quer zur Breche gelangte. Hier stellte sich heraus, dass das „Pétit Picnique“, das wir am Morgen vom Hüttenwirt erhalten hatten, aus wunderbarer französischer Salami, geräuchertem Speck und verschiedenen französischen Käsen bestand.

 

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Michi beim Aufbau eines Fixseils zum sicheren Abstieg der Gruppe vom Pointe Breevort

 

Die nun anschließende Abfahrt von der Breche Girard Lezin (3.668 m), zurück auf den Glacier de la Plate des Agneaux, auf den wir bei ca. 2.400 m treffen würden bescherte uns beste Firnverhältnisse über beinahe 1.300 Höhenmeter. Jeder  Schifahrer weiß, dass so  ein Erlebnis weder in Worten noch in Bildern festzuhalten ist.

 

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1.300 Höhenmeter Abfahrt in idealem Schigelände bei bestem Firn, zurück auf den Glacier de la Plate des Agneaux. Besser ging’s nicht.

 

Nach ingesamt 13 km Strecke und einem langen Talhatscher (die letzten 3 km mußten wir die Schi wieder an den Rucksack schnallen), erreichten wir schließlich Villar d’Arénne auf ca. 1.980 m.

 

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Die letzten Meter im Schnee.

 

Nach 6 Tagen auf schwerer Schihochtour erreichten wir schließlich, doch einigermaßen erschöpfte, unser Auto. 

 

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Zurück am Auto, nach 6 Tagen auf Tour

 

Zusammenfassen kann man die Tour kurz und bündig so: Wahnsinnig eindrucksvolle Landschaft, ideales Schitourengelände, 6 Tage bestes Wetter, gute Schnee- und Lawinenbedingungen, tolle Hütten, nette Menschen, gute Verpflegung, super Gruppe auf hohem Leistungsniveau. Passiert sicher selten, daß all diese Umstände zusammenkommen. Aber wenn - dann paßt’s.

 

Michi Hank, Steingaden im Mai 2018 

 

 

P.S.: Vielen Dank für die tollen Fotos an Marita, Harry und Jörg!

Skitour auf den Hahlekopf am 21.01.2018

Auf Gund der Lawinensituation wurde die geplante Tour auf den Thaneller abgesagt. Als Ausweichtour ging es auf den Hahlekopf bei Lechaschau.

Beim Aufstieg hat uns noch Regen mit Schnee begleitet. Oben am „Gipfel“ war es dann schon Schnee mit Wind und  diffuser Sicht.

Für die Verhältnisse war es eine schöne Abfahrt im unverspurten „Gipfelhang“ und auch durch den Wald war es Dank der erstaunlich guten Schneehöhe ein Genuß.

Das Wetter wurde immer besser und schon trudelten weitere Skitourengeher ein, die sich auch für diese Ausweichtour entschieden haben und sich über unsere angelegte Spur freuten.

Das letzte Drittel ging es, verletzungsbedingt, auf dem Forstweg weiter zum Frauensee.

Auf der Straße nach Lechaschau lag noch ein umgestürzter Baum auf der Fahrstraße, den die Männer kurzerhand aus dem Weg räumten.

Ein Danke schön an alle Teilnehmer die mir mit Geduld, Verbandsmaterial, Rucksacktransport, Spuranlage, Fahrservice etc. zur Seite gestanden sind!

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Tourenführer Harry G. mit den Teilnehmern Sebastian E., Martin S., Burkhard B. und Karin K.

Einsteiger und Geniesser-Skitour aufs Galtjoch

Super Tour aufs Galtjoch! Klasse Gruppe! Trotz Nebel und minderer Sicht haben wir uns auf den Gipfel gewuhlt. In der Ehenbichler Alm wurden wir danach mit Kaspressknödeln, Kässpatzen, Gulaschsuppe und Bier belohnt. Ein bisserl Pulver bei der Abfahrt vom Gipfel ham wir schon noch gefunden, und unterhalb der Ehenbichler Alm haben die wenigen Sonnenstrahlen, die es bis dahin wieder durch die Wolken geschafft haben, den Schnee dann schön aufgefirnt. Beim Gipfelaufstieg hat sich unserer große Gruppe dann noch ein fleißiger Fotograph angeschlossen, deswegen an dieser Stelle ein paar seiner super Fotos.

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