Berichte

Trekking am Ende der Welt

Bericht von Ruth und Hans Höcherl

Am 25. Dezember sollte unsere Traumreise nach Patagonien – Feuerland von München via Frankfurt nach Buenos Aires starten- das 1. Hindernis: Eis , Schnee und eisige Kälte -12 Grad c. mit 3-stündiger Verspätung tauchten wir ein in unser Abenteuer und erreichten mit knapper Müh und Not den schon startklaren Flieger in Frankfurt im letzten Moment. Nach 13 Stunden Flug- dann der Hitzeschock + 33 Grad °C ! Gepäck nicht da und Guide und Gruppe, die uns dort erwarteten-weg!! Wie gut, dass wir einige Brocken Spanisch gelernt hatten, so konnten wir Gepäcknachlieferung in den Bergsteigerort Calafate unseres 1. Treckings und Taxifahrt zum Hotel  selber organisieren. Buenos Aires, eine phantastische Großstadt-8spurige Autostraßen und zu unserer Verwunderung läuft alles gemäßigt und ruhig ab. Im Hotel angekommen-Gruppe und Guide gefunden und gottlob wie eine Zwiebel angezogen, so konnten wir flugs von der Polarkleidung in Sommershorts und Top schlüpfen, um die 3-stündige Stadtrundfahrt genießen zu können. Von tangotanzenden Pärchen auf der Straße über den Präsidentenpalast am Plaza de Mayo zum historischen Friedhof mit prächtigen Mausoleen, und zum Hafenviertel mit den originellen Künstlerhäusern, beeindruckend.

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Auf dem Weg zum Guanacospass (1200m)

 

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Den Cerro Torre 3128m, oberhalb dem Bergsteigerdorf  El Chalten, sahen wir bei Sonne!

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In den Südbuchenwäldern des Feuerland Nationalparks hatten die Unwetter viele Brücken zerstört

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Die Ufer des Beaglekanals sind ein Tierparadies

 

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Im Guanacostal mit Blick auf Lago San Martin

Am  nächsten Tag Weiterflug  nach Calafate-eine dunkle Wolke schwebt über uns-was, wenn das Trekkinggepäck nicht ankommt? Die Estancia mit Schaf- und Pferdezucht-die gemütlichen Zimmer, das hervorragende Essen und die einzigartige Landschaft lassen die Sorgen schnell vergessen und der Blick auf den Peritomorenogletscher, das 1. Highlight am folgenden Tag vertreiben die düsteren Gedanken.

Mit dem Boot fahren wir ganz nah an den in türkis blau Tönen schillernden Gletscher und beobachten wie dieser tosend in den Lago Argentino kalbt. Weiterfahrt zum Lago San Martin, immer an der gigantischen Andenkette entlang, wo Kondore über uns kreisen. Auf dieser einsamen Straße gen Norden begegnen uns höchstens mal Weltenbummler voll bepackt auf dem Radl!

Wie gut, dass unser Rucksack doch noch rechtzeitig angekommen ist! So konnten wir unser 1. Trekking beginnen: 12 Teilnehmer 1 Guide, 1 Bergführer, Kochmannschaft, 6 Pferde. Auf ging`s durch den Südbuchenwald stetig bergauf zum 1. Camp auf 1050 m Höhe. (750hm)

6. Tag: Aufstieg auf schmalen Pfaden auf 15oo m zum Paso del Gordo.  Die wunderbare Stille durchdringt ein Pfeifen, der Warnruf der Guanacos ( scheue Lamatiere). Immer wieder müssen wir den reißenden Portonefluß durchwaten, ein heikles Unternehmen.

7. Tag: Aufstieg zum Guanacopaß und Abstieg Richtung los Glaciares Nationalpark mit Blick auf die türkisfarbene Fläche des Lago  Viedma, abends Sylvesterfeier weit vor Mitternacht  mit Linseneintopf ( lecker, aber zu wenig) und Hühnchen mit Wein.

8. Tag: wieder lacht die Sonne, kein typischer Patagonienwind, aber nun müssen wir die Hosenbeine hochkrempeln, Wassertiefe prüfen und auf geht`s durch den reißenden Rio Portone mit Gepäck, versteht sich! Dann folgt ein anstrengender Aufstieg zum Paso de la Gorra (7oohm)wir gehen einige 1oo hm mehr, jeden Umweg nehmen wir wahr und bewegen uns in unwegsamen Waldgelände, klettern über vom Sturm zerlegte Baumstämme oder kriechen unter mächtigen Ästen durch, schwingen uns wie Tarzan von Ast zu Ast. Und verlieren einen Bergkameraden, aber das ist eine andere Geschichte. Katastrophale Stürme, einige Wochen zuvor, haben in den Wäldern für große Verwüstugen gesorgt und in diesem naturgeschützten Gebiet darf nichts verändert werden, unser Bergführer war selber erstaunt und oft ratlos, wie er die Truppe gefahrlos zum Ziel führen sollte und konnte. Hinzu kam die ungewöhnliche Hitze,ein Auftanken der Trinkflaschen unmöglich. So wurden aus 7 Stunden Marsch  12- 13 Stunden , ehe wir nach etlichen Flußüberquerungen durch den Rio de Vueltas müde und erschöpft den Bergsteigerort El Chalten  erreichten. Belohnt wurden wir mit einem  herrlichen Bergblick auf den Fitz Roy ,ein 3405m hohes Granitmassiv.

9. Tag:  Erkundung des Los Glaciares Nationalparks, an dessen Nordrand das Massiv des Cerro Fitz Roy emporragt. wau! welch hervorragende Sicht, die nicht jedem Bergsteiger so schnell vergönnt ist, viele warten wochenlang darauf! Wir wandern bis zum Basecamp Poincenot des Fitz Roy. Unten die türkisfarbene  Laguna de Los Tres und oben die Gletscherfelder. (7oohm  7oo hm  ).  Beim Abendessen wird es meinem Gegenüber übel und schon liegt er neben dem Tisch.  Der Erste Hilfekurs war also nicht umsonst!

10. Tag: jetzt gibt es die ersten Ausfälle in unserer Gruppe, zu neunt geht es weiter Richtung Cerro Torre 3102 m, der wie eine uneinnehmbare Felsnadel vor uns auftaucht.

11. Tag: Busfahrt über eine steinige Schotterpiste und dann durch die argentinische Pampa nach El Calafate, dort Weiterflug nach Ushuaia in den äußersten Süden, die 2 kranken Bergkameraden müssen wir zurücklassen.

12. Tag: mit dem großen Treckingrucksack mit Schlafsack, Isomatte, Wechselwäsche und Proviant für 4 Tage ( 3 Bergkameraden haben sich schon verabschiedet ) sind wir im Feuerland Nationalpark unterwegs. Wir steigen zum Gipfel des Cerro  de dos Banderas auf (85ohm  85ohm  ). Hier erwarten uns schlammige Pfade und schotteriges Gelände, der Blick schweift über die schneebedeckten Gipfel und das blaue Band des Beagle kanals. Im grün bewaldeten Andorratal schlagen wir die Zelte auf  und werden am Feuer mit Barbecue Grill erwartet. Die Temperaturen sinken weiter, und wir kriechen schnell in den wohlig warmen Schlafsack.

13. Tag: Aufbruch zum Eisbruch des Vinciguerra Gletschers, steiler Aufstieg mit Steigeisen zum Gletscher.

14. Tag: dern nächste Ausfall eines Teilnehmers, der Jüngste aus der Runde!  Wir wandern in Begleitung unseres neuen Bergführers und seinem Praktikanten, begleitet von Trägern für die Zelte und Kochgeschirr  tief hinein in den Feuerland Nationalpark und tragen  unseren schweren Rucksack selber. Wieder sind wir überrascht von den Verwüstungen in den Wäldern und zu unserem Entsetzen sind Brücken eingebrochen und unpassierbar geworden. Wir überwinden die tosenden Flüsse  über Baumstämme, nachdem wir die Rucksäcke und Stöcke schwungvoll ans andere Ufer geworfen haben. Unsere Spannung steigt! Am Ufer der eisigen Lagune beziehen wir unser Lager und werden auf dem Weg zum stillen Örtchen von einem Fuchs erwartet, der in der Nacht unsere  Mülltüten zerlegt!

15. Tag: Gottlob sind wir heute nur mit dem Tagesrucksack unterwegs und balancieren am Fluß entlang hinauf zum Cerro Reber, ein steiniges Gipfelplateau, das wir über rote vulkanerde, vielfältige Moose und Schneefelder erreichen. Ein eiskalter Wind fegt uns um die Ohren und die Brotzeitpause am Gipfel fällt kurz aus. (6oo hm  6oohm  )

16. Tag: über steiniges, steiles Gelände wandern wir zum Paso de la Oveja auf 1000hm und hinab über schmale Tierpfade quer an den Hängen entlang zurück nach Ushuaia. Immer wieder bestaunen wir die vielen einzigartigen Orchideen  und  andere seltene Pflanzen.

17. Tag: eine Bootsfahrt zur Pinguininsel steht auf dem Programm, aber leider machen wir nun Bekanntschaft mit stürmischem Wetter (typisch patagonisch), und so können wir bei heftigem Seegang nur zu den kleinen Inseln mit den Seelöwen vordringen entlang des Beagle Kanals.  Unsere Hochtourenführer müssen ihren Traum von ihrer Gletschertour auf den Cerro Alvear beerdigen, es ist zu stürmisch. – Am Abend feiern wir Abschied in einer Hütte im Bibergebiet.

18. Tag: Rückflug nach Buenos Aires und abends Besuch einer berühmten Tangoshow mit Abendessen, Tanz und Live Band. Wir lernen den Tango von Profis in unserem Trekkingoutfit und Sandalen.!

19. Tag: Adios Patagonien!  Die unendliche Weite dieser wunderschönen Landschaft, die Stille, die Wolkenformation und die Farbenpracht und die vielen, einzigartigen Orchideen werden uns im Alltag noch lange begleiten- ein Traum ist Wirklichkeit geworden!  Wir sind glücklich ohne Verletzungen und gesund unser Ziel erreicht zu haben.


Geschrieben von i. A. Armin Heigl