Berichte

Bergsteigen in Ecuador

Bericht von Rudi Berghofer

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Ecuador, das kleinste der Andenländer, ist eine Republik mit einem Präsidenten, der alle Macht in den Händen hält. 35 % der 12 Millionen Einwohner sind Nachkommen der Ureinwohner, 40 % sind Mestitzen und der Rest sind Einwanderer. Die Landessprache ist Spanisch aber die indigene Bevölkerung benützt ihre Muttersprache Quechua.

Am Abend des 9. August gings in München los. Man ist schon etwas aufgeregt. Mutterseelenallein auf eine sehr weite Reise geschickt! Von München nach Madrid Umsteigen in einen größeren Flieger und weiter nach Quito der Hauptstadt Ecuadors. Sie liegt etwa 20 km südlich vom Äquator in 2000m Meereshöhe. Mit 1,4 Millionen Einwohnern ist sie die höchstgelegenste Hauptstadt der Erde. Am Ausgangspunkt des Flughafens wurde ich von Marcelo, den nun für uns zuständigen Reise- und Bergführer, in ein kleines Hotel gebracht.

Nacheinander trafen auch die anderen Reiseteilnehmer ein. Ein erstes Kennenlernen. Anderntags Stadtbesichtigung und Fahrt zum Äquator. Ich stand doch tatsächlich mit einem Bein auf der südlichen und dem anderen auf der nördlichen Halbkugel.

Am dritten Tag gings an die Akklimatisation. Zwei Stunden Anfahrt nach Otavalo mit dem Aussichtsberg Fuja Fuja (4205 m), einem erloschenen Vulkan. Ein erstes Abschätzen der Anderen. Wie sind sie drauf? Elf Männer und eine Frau, Der jüngste 22, der älteste 59. Auf dem Gipfel des Fuja Fuja eine tolle Aussicht. Die nächste Eingehtour ging auf den Pichincha, 4794m, Quitos Hausberg.

Wir verlassen Quito auf der Straße der Vulkane und gelangen zum Fuß des Iliniza mit 5100 m Höhe. 3 Stunden Aufstieg 4700 m hoch gelegenen Hütte. Aufstehen um 2 Uhr und Abmarsch um 3 Uhr. Bis zum Pass zwischen  Nord-und Südgipfel in 4900 m Höhe gutes Gegelände. Der Weiterweg zum meist eisfreien Nordgipfel erfordert leichte Kletterei. Das Wetter war gut, der erste Fünftausender geschafft! Übernachtet wird in 3400 m hoch gelegenen Dörfchen Chaupi.

Am 9. Tag fahren wir in den Cotopaxi Nationalpark. Bis zum Refugio Jose Ribas, 4800m, muss man noch 200 m hinauf gehen. Um Mitternacht starten wir zum Gipfelsturm. Die ersten 300 hm auf lockerem Schotter, wie das Vulkanberge so an sich haben. Dann aber Steigeisen , Pickel und Seil  in Dreierseilschaften. Ich sehe nur die Absätze des Vordermanns, ein Stück Seil und die Spur im Schein der Stirnlampe. So vergehen Stunde um Stunde. Stehen bleiben, verschnaufen, trinken und etwas essen. Endlich, nach sechs Stunden wird es heller und dann ein herrlicher Sonnenaufgang. Oben, am Kraterrand haben wir 5897 m erreicht und schauen in den 300 m tiefen Schlund. Und erst das Panorama! Vulkanriesen mit ihren weißen Spitzen grüßen aus allen Himmelsrichtungen.

Unser nächstes Ziel und auch den Höhepunkt der Reise sehen wir auch schon: den Chimborazo. Ein ergreifendes Gefühl hier oben zu sein. Erst beim Abstieg bemerken wir, durch welche fantastische Eiswelt wir da gekommen sind.

In Banas, einer kleinen Touristenstadt, gönnen wir uns einen Tag Ruhe. Es folgt ein Transfer zur Wymper-Hütte, die auf 5000 m Höhe liegt. Zwei Stunden Schlaf, Aufstehen um 11 Uhr, kurzes Frühstück und dann los, über Geröll und überfrorenes Felsgelände. Ab 5500 m Schnee und teils blankes Eis. Es geht in der im Schnitt 45 Grad steilen flanke ziemlich direkt hinauf. Die Schritte werden kürzer und die Pausen länger. Endlich Sonnenaufgang und wieder ein grandioses Schauspiel. Nach acht Stunden haben wir es geschafft. 6310 m, wir liegen uns in den Armen. Bergführer Marcelo, mein Seilpartner Oliver und ich. Ein lang gehegter Traum ist in Erfüllung gegangen. In nächster Nähe die Vulkanriesen Cotopaxi, Antisana und Cayambe, alle um die 6000 Meter. Fünf Stunden Abstieg erfordern noch einmal volle Konzentration. Dann die Rückfahrt nach Quioto, abermals Stadtbummel. Dann Abschied nehmen von den Kameraden. Es hat wunderbar gepasst. Mir bleibt eine unvergessliche Erinnerung.

Geschrieben von i. A. Armin Heigl